Krankenhaus Reinbek

Der Leistenbruch (auch Leistenhernie) ist eine Vorwölbung der Bauchwand im Bereich der Leiste mit Bauchorganen in dieser Vorwölbung (Bruchsack).  Die Lokalisation in der Leiste ist unter allen Bauchwandhernien  mit 80-90% die häufigste. Die weiteren vorkommenden Brüche sind nach ihrer Lokalisation benannt zum Beispiel Schenkelhernien, Nabelhernien, epigastrische Hernien und weitere seltene Arten.

Eine altersspezifische Häufung für das Auftreten von Hernien sind das Kindesalter bis 5 Jahre, das Erwachsenenalter zwischen 20 und 30 Jahren, sowie das Lebensalter zwischen 50 und 70 Jahren.

Die Anatomie der Leistenregion ist mit den dort durch die Bauchwand zum Hoden verlaufenden Strukturen der Grund für die hohe Zahl an Brüchen, die in dieser Region auftritt.

Erkennung / Früherkennung

Der wesentliche Faktor in der Diagnostik des Leistenbruchs ist die Untersuchung. Die tastbare Vorwölbung mit dem oft zurückdrückbaren Bruchinhalt in der Leiste fällt den meisten Patienten selbst auf oder wird bei der Untersuchung durch den Hausarzt diagnostiziert.

Schmerzen in der Leistenregion können auftreten, sind aber nicht das typische Symptom eines Leistenbruchs. In der Entstehungsphase eines Bruchs sind ein leichtes Ziehen oder Stechen oft geschilderte Beschwerden.

Eine stark schmerzhafte Schwellung in der Leiste, die sich nicht wieder in den Bauch zurückbringen lässt (man spricht hier von reponieren), kann ein eingeklemmter Bruch sein, der dringlich ärztlich untersucht und beurteilt werden muss. Eine Operation kann in solchen Fällen unverzüglich erforderlich sein. Bei Einklemmungen von Darmstrukturen im Bruch gilt es diese rasch zu reponieren. Gelingt dies nicht, so besteht die Gefahr von Durchblutungsstörungen des Darms oder eines Darmverschlusses. Das sind absolute Notfälle, die operativ behandelt werden müssen, da sonst eine Lebensgefahr für den Patienten bestehen kann.

Diagnose

Die wesentliche Untersuchung bei dem Verdacht auf einen Leistenbruch ist die direkte Untersuchung durch den Arzt. Hierbei wird der Leistenkanal mit dem Finger beurteilt und in den allermeisten Fällen die Diagnose zweifelsfrei gestellt. In seltenen Fällen ist eine weitere apparative Diagnostik durch Ultraschall erforderlich. Bei Beschwerden, die nicht ausschließlich auf die Leiste oder den Leistenbruch zurückzuführen sind, kann eine weiterführende Beurteilung durch Ärzte andere Fachdisziplinen (z.B. Urologen, Gynäkologen, Orthopäden, Neurologen)  sinnvoll sein. Dies ist jedoch die Ausnahme.

Chirurgische Maßnahmen

Die Diagnose eines Leistenbruchs ist in der Regel die Indikation zur OP. Ein Bruch bildet sich nicht von selbst zurück, er wird tendenziell größer, es besteht die Gefahr der Einklemmung.

Eine Behandlung durch ein Bruchband ohne Operation ist nicht anzuraten. Der Bruch wird nicht beseitigt, lediglich das Heraustreten von Bauchorganen wird vorübergehend, solange das Bruchband getragen wird, verhindert. Es besteht die zusätzliche Gefahr, durch das Bruchband die Bindegewebsstrukturen und die zum Hoden führenden Blutgefäße zu schädigen. Dieses kann unwiederbringliche Folgen haben.

Eine Operation bringt den Bruch wieder in die Bauchhöhle zurück und verhindert durch Reparation des Bauchwanddefektes und neu geschaffene Stabilität ein Wiederauftreten.

Verschiedene operative Möglichkeiten stehen zur Verfügung

Die offenen OP-Verfahren werden über einen meist 5-6 cm langen Schnitt in der Leiste durchgeführt. Hierbei gibt es die Möglichkeit den Bruch mit Nahtverfahren zu reparieren und die Bauchwand zu stabilisieren. Die OP nach Shouldice ist hier diejenige mit der höchsten Sicherheit.

Bei schwachem Bindegewebe oder bei Risikofaktoren für das Auftreten eines Wiederholungsbruchs kann die Einlage eines Kunststoffnetzes als erforderlich erachtet werden.  Die Entscheidung zum Einsatz eines Kunststoffnetzes (OP nach Lichtenstein) erfolgt in der Regen vor der OP, kann aber auch intraoperativ erfolgen.

Wir empfehlen für die Leistenbruchoperation durch einen kleinen Leistenschnitt in der Regel eine örtliche Betäubung.

Die endoskopischen OP-Verfahren (minimalinvasive OP, MIC) erfolgen durch eine Spiegelung. Hier werden durch den Operateur eine Kamera (Laparoskop) und feinste Arbeitsgeräte durch kleine Schnitte in den Bauch eingebracht. Von innen wird dann das Bauchfell eröffnet, der Bruch in die Bauchhöhle zurück gebracht und der Defekt in der Bauchwand (Bruchpforte) mit einem Kunststoffnetz sicher abgedeckt und dann das Bauchfell wieder verschlossen (TAPP-OP). Eine Vollnarkose ist bei dieser OP immer erforderlich.

Die Kunststoffnetze, die bei den Leistenbruchoperationen (offen und laparoskopisch) verwendet werden, sind aus sehr gut verträglichen Materialien. Ihr Einsatz wird individuell auf den einzelnen Patienten abgestimmt.

Therapieablauf

Die OP beim Leistenbruch erfolgt ambulant oder als kurzstationärer Aufenthalt. Die Planung hierfür erfolgt in unserer Sprechstunde und im Gespräch mit dem Anästhesisten.

Die Patienten werden am vereinbarten Aufnahmetag operiert. Die Entlassung erfolgt dann entweder später am OP-Tag (ambulante OP) oder an einem der folgenden Tage. Hierüber informieren wir in der Sprechstunde jeden Patienten für seine persönlichen Planungen individuell.

Mobilisation aus dem Bett ist in jedem Fall am OP-Tag geplant. Die körperliche Belastbarkeit ist nach der OP rasch gegeben, sportliche Aktivitäten können meist nach 2 Wochen wieder aufgenommen werden, ebenso ist die Arbeitsfähigkeit nach dieser Zeit meist wieder gegeben. Bei der offenen Operation durch Nahtverfahren sollte die körperliche Belastbarkeit zum Schutz der Nähte nicht sofort das normale Maß erreichen, nach 4-6 Wochen ist die Belastbarkeit auch hier gegeben.

Die Wahrnehmung von Schmerzen postoperativ ist sehr unterschiedlich. Die Einnahme von Schmerzmedikamenten ist normalerweise nur für wenige Tage nach der Operation erforderlich.

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