Krankenhaus Reinbek

 



Krankenhaus-Geschäftsführer Lothar Obst
(Krankenhaus Reinbek St. Adolf-Stift):

 
„Wir würden Herrn Gröhe ganz klar zwei Fragen stellen:


1)

Warum bekommt ein Krankenhaus in Schleswig-Holstein für ausnahmslos alle Behandlungen weniger Geld als ein Krankenhaus in Hamburg oder Bayern?


2)

Warum werden in einem personalkostenintensiven Bereich wie der medizinischen und pflegerischen Versorgung die Tarifsteigerungen nicht annähernd in den Erlössteigerungen der Krankenhäuser abgebildet? Von welchem Geld sollen wir der Krankenschwester ihr zu recht gestiegenes Gehalt zahlen, wenn wir selbst nur die Hälfte der Prozente rückerstattet bekommen?“


„Das Thema ist für den Laien schwer zu vermitteln, aber es ist am Ende so, dass die gleiche Operation oder die gleiche Behandlung den Krankenhäusern unterschiedlich vergütet wird, je nach dem, in welchem Bundesland sie liegen. Leider hat Schleswig-Holstein gemeinsam mit den Neuen Bundesländern in Deutschland den niedrigsten ‚Landesbasisfallwert‘. Da dieser bei jeder Kostenerstattung durch die Krankenhäuser als Faktor mit der Fallgruppe multipliziert wird, bekommen Schleswig-Holsteinische Krankenhäuser für ALLE Behandlungen weniger Geld als zum Beispiel die in Hamburg oder Bayern.


Hier einige Beispiele:

  • Für eine Gallenblasenentfernung erhält das Krankenhaus Reinbek 2.777,57 Euro. Für exakt die gleiche Behandlung bekommt ein Krankenhaus in Hamburg jedes Mal 54,46 Euro mehr. Das erscheint noch nicht so viel?
  • Nehmen wir ein anderes Beispiel: für einen Herzschrittmacher mit Defibrillator bekommt unser Kardiologe 11.344,07 Euro, der in Hamburg aber 222,42 Euro mehr. Besonders perfide: Das Implantat allein nimmt zwei Drittel der Gesamtkosten ein, sprich, das Geld müssen wir dem Hersteller zahlen. Aber selbst dafür bekommen wir von den Kassen 152,80 Euro weniger als ein Hamburger Krankenhaus. Obwohl die Preise des Herstellers bundesweite gelten.
  • Noch ein Beispiel: Für eine normale Entbindung erhält ein Krankenhaus in Hamburg 32,82 Euro mehr (nämlich 1.706,84 Euro) als ein Haus in Schleswig-Holstein.

Im Jahr behandeln wir allein stationär 17.000 Patienten. Je nach Schwere der Erkrankung schwankt die Differenz in der Vergütung.

Wir haben das mal ausgerechnet: Im vergangenen Jahr hätte das Krankenhaus Reinbek mit genau der gleichen Leistung, den gleichen Patienten und Ärzten, wäre es vor 130 Jahren 5 km weiter westlich, nämlich in Hamburg gebaut worden, insgesamt rund 1,7 Millionen Euro mehr Einnahmen gehabt.

Diese Summe fehlt uns JEDES Jahr im Vergleich zu den Hamburger Häusern. Wir werden also allein aufgrund der geographischen Lage genötigt, irgendwo anders zu sparen.“

 

 

BEGRIFFSERLÄUTERUNGEN:

 

  • Der so genannte Landesbasisfallwert bildet die eine Grundlage für die Vergütung der Krankenhausleistungen. Diese Werte sind in jedem Bundesland unterschiedlich, Schleswig-Holstein bildet zusammen mit den Neuen Bundesländern das Schlusslicht. Im Jahr 2014 betrug der Landesbasisfallwert 3.117,36 € in SH, in Hamburg betrug er 3.178,48 € und in Bayern 3.188,00 € und in Rheinland-Pfalz sogar 3.325,00 €. Der Bundesdurchschnitt lag bei 3151,47 €
  • Die zweite Grundlage für die Vergütung sind die so genannten DRG (Diagnosis Related Groups)- die diagnosebezogene Fallgruppen. Das heißt, es wird seit über 10 Jahren in Deutschland bei einem stationären Krankenhausaufenthalt nicht mehr die tatsächlich angefallene Behandlung bezahlt, sondern es gibt eine Fallpauschale je nach Erkrankung.
  • Die tatsächliche Vergütung durch die Krankenkassen erfolgt durch die Multiplikation des DRG-Faktors/ der Fallpauschale mit dem Landesbasisfallwert des behandelnden Krankenhauses. Das heißt, bei ALLEN Behandlungen bekommt ein Krankenhaus in Schleswig-Holstein weniger Geld als in anderen Bundesländern.

 

 

MACHEN SIE MIT!

Zur Aktion "Frag doch mal den Gröhe" halten wir Krankenhäuser am Emfpang Informationsmaterial und Postkarten bereit, unter

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